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der Grande Africa von Grimaldi nach Westafrika und zurück 1. Tag Freitag 26.7. (Einschiffen in Hamburg) Nach einem superfeinem Frühstück fuhren wir in den Freihafen zum Schiff. Die Grande Africa hat 56700 GRT und ist wesentlich größer als die Fides. Die Länge des Schiffes beträgt 214 Meter in 14 Etagen. Wir fuhren mit dem Auto direkt ins Schiff bis zum Fahrstuhl und brachten unser Gepäck in die Kabine in der 12. Etage. Danach fuhren wir nach Hamburg-Harburg zu Herrn Gassner, um dort das Auto unterzustellen. Die Reiseagentur Neptunia hatte zwar via Grimaldi Hamburg eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe des Schuppens angeboten, aber fünf Euro pro Tag waren uns zu teuer. Gegen 15:00 Uhr waren wir zurück an Bord und richteten uns in der Kabine ein. Endlich an Bord! Jetzt können wir uns entspannen ... Sofort begrüßte uns der Kapitän Alfredo Mariconda sehr freundlich. Er veranlasste sofort, dass die defekte Klimaregulierung ausgetauscht wurde. Die Kabine als solches entsprach allerdings nicht unseren Erwartungen. Sie war klein, ungemütlich und laut. Das permanente Dröhn-Geräusch scheint von der Klimaanlage zu kommen. In der Kabine war leider nur ein Stuhl, ein Ablagetisch mit einer Ausziehfläche für einen Laptop. Nach dem ersten Schreck haben wir uns mit dieser nicht so optimalen Situation abgefunden. Um 18:00 Uhr nahmen wir unsere erste Mahlzeit am Tisch mit dem Kapitän ein. Seine Offiziere sind auch sehr freundlich und zuvorkommend. Zum Essen werden Nudeln mit Linsen, dann Wurstel mit Kraut (kein Schreibfehler!), Schweinebraten, Tomatensalat und zum Abschluss Obst serviert. Wir unterhielten uns hervorragend. Der Tischwein ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Der Kapitän sagte uns, dass wir die einzigen Passagiere für die gesamte Rundreise seien und dass in Le Havre bis Dakar (1 Woche Fahrzeit) eine französische Familie zusteigt. Aldo, der Steward, ist extrem freundlich zu den Passagieren. Er bemüht sich wirklich, alle Wünsche zu erfüllen. Man merkt, dass er Jahre mit der Bedienung von Passagieren hinter sich hat. Er wird aber in Tilbury von Bord und in Urlaub gehen. 2. Tag Samstag 27.7.(auf dem Wege nach Tilbury) Um 7:55 Uhr war im Speiseraum noch niemand. Nach etwa fünf Minuten kam der Steward, er meinte, dass man inzwischen schon die Uhrzeit um eine Stunde zurückgestellt hätte. Er brachte uns frischen, starken Kaffee, warme Brötchen und Zwiebelkuchen, den wir dann völlig alleine, gemütlich genießen konnten. Das Schiff fährt ganz ruhig und schaukelt fast gar nicht. Mittagessen gab es schon um 11:00 Uhr: Rissotto, Calamari, Frikadellen, Salat und Obst. Am Tisch saß auch ein Deutscher, Herr Dieter Eckle, der für die richtige Positionierung der Fracht im Schiff verantwortlich ist. Er kommt im ersten europäischen Hafen an Bord und steigt im letzten aus. Er ist ein ehemaliger Kapitän zur See und auch so wie ich bei der Afrika-Linie gewesen. So fand gleich wieder eine rege Unterhaltung über die westafrikanischen Häfen statt. Am Nachmittag kam die Sonne durch und wir hielten uns ein wenig an Deck auf. Später spielten wir Karten. Das Abendessen wurde um 18:00 Uhr serviert: Spaghetti in Öl und Knoblauch, Pizza Margherita, Steak mit Salat und hinterher einen Apfel. Alles war hervorragend. Danach unterhielten wir uns mit den jungen Offizieren, sahen via Satellit die italienische Tagesschau und spielten anschließend Karten. 3. Tag Sonntag 28.7. (in Tilbury) Als wir in den Speiseraum kamen, stellten wir fest, dass wir bereits in Tilbury festlagen und die Beladung schon begonnen hatte. Es war herrlicher Sonnenschein. Wir gingen in das kleine Örtchen Tilbury, indem anscheinend nur die im Hafen Beschäftigten mit ihren Familien leben. An der Kleidung und an den Autos merkt man, dass hier Leute des unteren Mittelstandes leben. Die meisten Läden, Imbisse und Werkstätten stehen zum Verkauf oder sind geschlossen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist wohl ins nahe London abgewandert. Direkt am Hafeneingang war ein großer Supermarkt, indem wir noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft haben. An Bord haben wir Steward Aldo verabschiedet, der hier seinen wohlverdienten Urlaub antritt. Danach haben wir einen kleinen Aperitif getrunken und sind zum Mittagessen gegangen. Der neue Steward Luciano war fleißig gewesen und servierte Punkt 11:00 Uhr Schinken roh und gekocht mit Oliven, Paprika, Zwiebeln, Tagliatelle Bolognese, Rollbraten mit Spinat und zum Schluss Melone. Hervorragend! Die Zeit bis zum Abendessen verging wie im Fluge mit sonnenbaden, im Aufenthaltsraum quatschen und später mit der ganzen Crew einen Videofilm ansehen. Beim Abendessen gab es mit dem Kapitän wieder eine rege Unterhaltung und etwas Gutes zu essen: Tortellini in brodo, Hühnchen mit Röstkartoffeln, ein großes Stück Schnittkäse und einen frischen Obstsalat mit Eis. Man hätte uns rauskugeln können. Danach haben wir wieder ein wenig Karten gespielt. 4. Tag Montag 29.7.(auf dem Weg nach Antwerpen) Schlau wie wir sind, haben wir heute morgen schon die Uhr wieder um eine Stunde vorgestellt und sind dann zum Frühstücken gegangen. Doch da war noch nicht gedeckt. Also galt wohl noch die "alte" Zeiteinteilung. Der Steward sagte uns, dass die Uhr erst später vorgestellt werden würde. So haben wir dann wieder ganz allein das Frühstück genossen. Nach Putzen der Kabinen und Sonnenbaden, lesen und Musik hören, haben wir einen Aperitif zu uns genommen und gingen um 11:00 Uhr (also nach "alter" Zeit um 10:00 Uhr)zum Mittagessen. Es gab Nudeln mit Sauce, Schwertfisch kalt als Salat mit Zwiebeln und Oliven, Schnitzel in Marsala-Sauce mit frischem Gemüse; Obst und Kaffee. Am Nachmittag haben wir das Einlaufen in Antwerpen im Navigationssystem beobachtet. Es hat einige Stunden gedauert Wir sind durch die zwei größten Schleusen der Welt unter Durchfahrung mehrerer Hochziehbrücken vorwärts gekommen. Zwischendurch war wieder Zeit für das Abendessen: Käsesalat mit Kartoffeln, Gurken und Oliven; Ochsenbrust und Salat und zum Abschluss Melone. Während des Essen bekamen wir überraschenderweise "Zuwachs": ein englisches Ehepaar aus Hull. Die beiden wollen mit ihrem Boot, das im Frachtraum steht, bis Dakar und von dort weiterschippern. 5. Tag Dienstag 30.7. (In Antwerpen) Als wir um halb acht Uhr zum Frühstueck kamen, saßen die Engländer schon dort bei ihrem Tee und führten dann die am Vorabend abgebrochene Unterhaltung fort. Wir sind anschließend zu Fuß (ca. 4 km) in den Duty Free Shop gegangen und haben einiges eingekauft. Rechtzeitig zum Mittagessen haben wir uns dann mit dem Shuttle-Service an Bord bringen lassen. Es gab Spaghetti mit frischen Tomaten; Lachssteak, Rindersteak und Salat, danach Obst und Kaffee - für die Engländer natürlich Tee. Wir haben uns anschließend in der großen Mittagshitze zu Fuß auf den Weg nach Antwerpen gemacht und uns die schöne Altstadt und auch das Geschäftszentrum angesehen. Um halb fünf Uhr haben wir uns eine Buslinie gesucht, die in das Hafengebiet fährt. Was wir leider nicht wussten: die Endhaltestelle im Hafengebiet war noch drei Kilometer weit von der Grande Africa entfernt, die wir somit wieder laufen mussten. Total erschöpft, von der Sonne verbrannt und mit einigen Schwellungen und Blasen an den Füßen und Beinen kamen wir wieder an Bord. Jetzt warm natürlich duschen angesagt, aber es kam nur heißes Wasser aus der "kalten" Leitung. 6. Tag Mittwoch 31.7.(auf dem Weg nach Le Havre) Eigentlich sollten wir gestern Abend um 21:00 Uhr schon abgelegt haben. Aber das kräftige Gewitter mit den sintflutartigen Regenfällen hatte die Kräne an Land außer Gefecht gesetzt und so war das Beladen erheblich gestört. Wir haben ja Zeit! Wir gesellten uns zu den Engländer am Frühstückstisch. Diesmal war das Frühstück etwas anders. Es gab so eine Art Brezelkuchen und Mini-Brötchen. Es scheint, dass der neue Koch das Regime übernommen hat. Danach haben wir uns ein wenig den Hafenbetrieb von oben angeschaut. Der Regen von gestern Abend hat die Temperatur sehr stark gesenkt und so mussten wir uns einen Pullover anziehen. Heute stand sogar zum Mittagessen Flaschenwein auf dem Tisch, der von einem Offizier anlässlich seines Geburtstages spendiert wurde. Zum Essen gab es Schmetterlingsnudeln mit Zucchini, Scholle, Schnitzel in Pizzaiola Sauce, Spinat, frische afrikanische Ananas und Kaffee. Als wir mit dem Mittagessen fertig waren, legte das Schiff erst ab. Der Nachmittag verging recht schnell mit Plaudern, Kartenspielen und Lesen. Beim Abendessen war auch der Kapitän dabei. Wir haben uns recht gut amüsiert. Zum Essen gab es Minestrone, Omelette mit Paprika und Zucchini, Riesenrippchen mit Salat und Obst. Danach haben wir uns noch im Aufenthaltsraum mit den jungen Offizieren unterhalten. Über das aktuelle Weltgeschehen sind wir nun leider nicht mehr informiert, da weder Radio noch Fernsehen funktionieren. 7. Tag Donnerstag 1.8. (Le Havre) Groß war unsere Überraschung, als wir nach dem Aufstehen merkten, dass wir schon in Le Havre festlagen. Es gab eine gute Tide und so war das Schiff viel schneller vorwärts gekommen. Das Frühstück war heute wieder besser - der Koch scheint sich langsam zu akklimatisieren. Schnell sind wir nach dem Frühstück an Deck gegangen - es war noch eine sehr frische Brise - und haben das sehr behäbige Hafenleben beobachtet. Der größte Teil der Schauerleute war noch in Urlaub. Formal haben wir zwei Tage Verspätung. Jeder, der nur irgendwie von Bord konnte, ist von Bord gegangen. Zu Mittag waren wir allein: Honigmelone mit Schinken, Nudeln, Kaninchen mit Paprikagemüse und Obst. Bei einem Decksrundgang traf ich unsere neuen Passagiere. Eine afrikanische Familie mit einer weißen Mutter. Leider sprechen alle nur Französisch und so kam keine Unterhaltung zustande. Eine Stunde vor dem Abendessen sind wir dann in den Salon gegangen und haben Karten gespielt. Die Suppe zum Abendessen war gerade gegessen, als die Türe aufging und die Engländer und ich wurden gebeten, sofort zu unseren Kabinen zu kommen. Die schwarze Gang war da! So bezeichnet man in der Seemannssprache eine Spezialtruppe des Zolls. Zwei Frauen und ein Mann stellten unsere Kabine buchstäblich auf den Kopf; alles was irgendwie zu öffnen war, wurde geöffnet, alle Schubladen, Koffer und sonstigen Behältnisse wurden "gefilzt". Das hat gute zwanzig Minuten gedauert. Natürlich hat man nichts Illegales gefunden. Aber seltsam war diese Kontrolle schon, da dieses Schiff ja sozusagen im Auslaufen begriffen ist und nach zehn Stunden im Hafen auch die Wahrscheinlichkeit eines Schmuggelns an Land sehr gering ist. 8. Tag Freitag 2.8. (noch in Le Havre) Das Wetter ist umgeschlagen und es gießt in Strömen. Bis zum Mittagessen haben wir uns im Aufenthaltsraum beschäftigt. Unsere erste Woche an Bord ist nun schon abgelaufen. Die gesamte Mannschaft ist insgesamt sehr freundlich und zuvorkommend. Heute Mittag gab es Risotto mit Muscheln, Fischsalat mit Oliven und Kartoffeln, Gulasch mit Mischgemüse, Obst und Kaffee. Und auch der Nachmittag gehörte dem Kartenspiel und der Unterhaltung. Pünktlich um 18:00 Uhr saßen wir mit fast der ganzen Crew beim Abendessen. Es gab Gemüsesuppe, Bockwürste angebraten mit Melanzane, Wiener Schnitzel und Obst. Der starke Regen hatte aufgehört, als wir an Deck haben bis fast 21.00 Uhr dem Ablegemanöver zuschauten. Wir waren so durchgefroren, dass wir uns bald in die Kabine begaben. 9. Tag Samstag 3.8. (auf See) Nach einer ruhigen gleichmäßigen Fahrt in der Nacht, wachten wir schön ausgeruht auf. In der Offiziersmesse wartete schon das Frühstück auf uns. Auch die restlichen Passagiere trafen so nach und nach ein. Danach machten wir einen wegen des kalten Windes nur kurzen Spaziergang an Deck; im Aufenthaltsraum wärmten wir uns bis zum Mittagessen. Es gab Nudeln mit Blumenkohl, eine kleine Scholle und Trippa, sehr pikant zubereitetes Eingeweide, Obst und Kaffee. Gegen 17:00 Uhr haben wir unsere übliche Kartenspielstunde eingeleitet. Das Abendessen begann heute etwas später mit einer Nudelsuppe mit Bohnen, Pizza Margherita, Steak mit Salat und Obst. Im Aufenthaltsraum haben wir zugesehen, wie die jungen Offiziere sich abmühten, uns endlich das Satellitenfernsehen in Ordnung zu bringen. Letztlich haben sie es geschafft, dass man zumindest RAI 1 sehen konnte und das haben wir auch bis 21:00 Uhr getan. Später sind wir ein wenig auf die Brücke gegangen, um dem Kapitän über die Schulter zu schauen. Zum Abendessen gibt es überbackene Nudeln, Calamares, Gulasch, Kaffee und Obst. Danach haben wir den fehlenden Schlaf von heute nacht etwas nachgeholt. Den Nachmittag haben wir an Deck verbracht. Es ist immer noch sehr bewegte See, 21 Grad. Manchmal sieht man Sandböen aus der Sahara in das Meer wehen. Morgen Mittag werden wir vermutlich in Dakar ankommen. 14. Tag Donnerstag 8.8. (Ziel Dakar) Die Nacht verlief sehr unruhig, da der Seegang zugenommen hatte. Aber uns hat dies nichts ausgemacht. Die Engländer saßen im Aufenthaltsraum und waren etwas nervös, weil sie heute von Bord gehen und mit ihrem Boot nach Gambia weiterfahren wollen. Unser Zeitvertreib an Deck wurde belohnt: Delphine und fliegende Fische traten in richtigen Schwärmen auf. Es war schön, ihnen zuzuschauen. Dann war schon wieder Zeit fuer den Aperitif und das Mittagessen mit kalter Vorspeise, Spaghetti Bolognese und schönes Steak, Salat, Obst und Kaffee. An Deck machte sich Landnähe bemerkbar. Die Luft wurde zunehmend feuchter und schwer. Gegen 12:15 Uhr sahen wir aus der Ferne Dakar. Bevor wir dort festmachen konnten, mussten noch viele Manöver stattfinden: eine kleine Sklaveninsel wurde umschifft und an einer ziemlich engen Stelle des Hafens rückwärts "eingeparkt" werden. Diese Manöver dauerten bis 14:00 Uhr. Jetzt wollten wir natürlich sofort an Land. Aber da hatten wir die Rechnung ohne Afrika gemacht. Das Motto ist, wenn nicht heute, dann morgen. Um halb drei Uhr kam der Zoll an Bord, während wir von oben das Hafenleben beobachteten. Wir waren schon sehr gespannt, wie das mit dem Landgang klappen würde. Aber leider zog sich die Zeit dahin. Gegen vier Uhr gingen wir dann runter an die Laderampe um dort die Angebote der fliegenden Händler anzuschauen. Es gab Mützen, Uhren, Feuerzeuge und jede Menge Schnitzereien. Wir interessierten uns für zwei geschnitzte Statuen, die ca. 60 Zentimeter hoch waren. Ein Stück stellte eine Frau mit einem Wasserkrug auf dem Kopf da, während die andere Figur einen alten Sklaven mit einer Pfeife darstellte. 150 Dollar waren uns aber zuviel. Kurz vor fünf Uhr bekamen wir endlich unsere Pässe. Wir sind sofort durch die Zollschranke in die Stadt gegangen. Rechts und links waren Händlerstände aus Holz, Wellblech und Pappe, an denen wirklich fast alles angeboten wurde. Dazwischen gab es aber auch Buden mit Lebensmitteln und Obst. Die Strassen waren überfüllt mit Menschen. Man musste sich sehr nahe an den Ständen bewegen, um nicht mit den fahrenden Autos zu kollidieren. Wir fanden eine Art Kiosk mit Zeitungen und Ansichtskarten. Beim Bezahlen kam die Enttäuschung, der Mann wollte keine Dollar haben und wir hatten keine Franc. So ging es uns an mehreren Kiosken. An einem Stand bekam ein junger Mann unsere Probleme mit und bot sich für die Vermittlung bzw. Übersetzung an. Wir kamen durch Feilschen an unsere neunzehn Ansichtskarten zu einem Preis von sechs Dollar. Nach kurzem Nachdenken ging es im Eilmarsch durch die halbe Stadt. Die Gassen wurden immer kleiner und enger. Plötzlich waren wir in einem Cybercafe. Der junge Mann einigte sich in unserem Namen mit dem Organisator bezüglich Zeit und Geld. Flugs saß ich am PC und konnte Emails und Kontostand abfragen. Nun war es inzwischen zwanzig vor sechs Uhr und wir hatten versprochen, um sechs Uhr wieder zurück zu sein. Also drückte ich dem jungen Mann zwei Dollar in die Hand und bat ihn uns zum Hafen zurückzubringen. Er verschaffte uns auf dem Rückweg Einblicke in Straßen, in die wir sonst nie gekommen wären. Die meisten Menschen waren ordentlich und sauber gekleidet. Sie strahlten eine ungewöhnliche Gelassenheit und Sicherheit aus. Es gab sehr hübsche Frauen, die in schneeweißen Gewändern herumliefen und gutangezogene Männer in Tuniken. Wir haben aber auch viel Armut gesehen. Kleine Kinder, die mit einer Blechbüchse bettelten und Straßenverkäufer, die die unmöglichsten Waren verkauften. Am Schiff verabschiedeten wir uns schweißüberströmt von dem jungen Mann, der sichtlich glücklich und zufrieden war. Wie es sich gehört, waren wir also pünktlich wieder an Bord. Das Abendessen bot uns als große Überraschung als Abschluss ein Stück Apfelstrudel. 15. Tag Freitag 9.8. (auf See) In der Nacht gegen 2:00 Uhr haben wir Schlafenderweise Dakar verlassen. Als wir zum Frühstück gingen, waren wir mutterseelenallein. Außer uns sind jetzt keine Passagiere mehr an Bord. Es gab plötzlich eine Überraschung: eine Frau klopfte an unserer Kabinentür und stellte sich als Irene, Frau des Kapitäns, vor. Sie ist noch in der Nacht kurz vor dem Ablegen an Bord gekommen. Sie spricht mehrere Sprachen und so konnten wir uns von Anfang an in Deutsch unterhalten. Sie bringt sicher weitere Abwechslung in unser Bordleben. Zum Essen gehen wir jetzt zur Standard-Zeit des Kapitäns, also um zwölf Uhr statt elf Uhr und acht Uhr statt um sechs Uhr. Das Mittagessen war heute besonders lecker. Es gab Risotto, Fisch und Frikadellen, sowie Salat, Ananas und Kaffee. 16. Tag Samstag 10.8.(Richtung Freetown) Um 9:00 Uhr waren es 27 Grad und ca. alle zwanzig Minuten gab es Regenschauer, bei denen man kaum noch etwas sah. Freetown war schon in Sichtweite, aber erst gegen 12:00 Uhr kam ein Lotse. Als wir um 13:00 Uhr zum Mittagessen (Nudeln, Fisch, Gulasch, Ananas und Kaffee) gingen, lagen wir immer noch nicht fest. Der Grund lag auch in den Regengüssen, bei denen man wirklich nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Nach dem Essen lagen wir endlich fest. Wir beobachteten von oben das Hafengeschehen: Hunderte von Menschen standen an der Pier. Auf was sie eigentlich warteten, war nicht klar, da durch die viele Polizei keiner an Bord durfte. Direkt am Hafen war ein Lager von UN-Soldaten mit ungefähr 20 LKW und 10 Jeeps. Ich wollte unbedingt das Löschen der Ladung direkt unten sehen, obwohl das Pier zu Betreten strengstens verboten war, zumal wir ja auch keine Visa hatten. Autos, egal ob Tieflader, Trucks, PKW, egal ob beweglich oder unbeweglich wurden teilweise wirklich mit Gewalt und speziellen Fahrzeugen von Bord geschoben, gehoben oder geschleppt. Und draußen stand weiter die geduldige Menschenmenge und ertrug die starken, alle zwanzig Minuten fälligen Regenschauer. Wir vermuteten am Schluss, dass dies evtl. die neuen Besitzer der Fahrzeuge waren, da einige sich lautstark wegen der rüden Entladung beschwerten. Vom Abendessen wurden wir wieder nicht enttäuscht: Suppe, Pizza, Steak und Salat von wirklich ausgezeichneter Qualität und Obst. Der Kapitän und der erste Maschinist haben stundenlang Witze erzählt. Es war köstlich. 17. Tag Sonntag 11.8.-18. Tag Montag 12.8.(auf See) keine besonderen Vorkommnisse. 19. Tag Dienstag 13.8.(in Abidjan) Heute morgen als wir aufstanden, liefen wir gerade in Abidjan ein. Der Hafen selbst liegt ca. fünf Kilometer flussaufwärts und die Anfahrt dauerte wegen der starkgedrosselten Fahrt fast zwei Stunden. Gegen neun Uhr kam der Agent an Bord; er versprach, uns nach Abidjan hineinzubringen. Aber natürlich mussten wir auf unsere Pässe warten. Erst kurz nach ein Uhr, durften wir mit Irene, der Frau des Kapitäns, endlich einsteigen. Leider mit dem Befehl, uns um halb drei Uhr wieder an Bord einzufinden. Es ging eine gute Viertelstunde über teils achtspurige Straßen durch Abidjan. Wir kamen durch die Industriezone, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter gerade Pause machten. Sie saßen in zeltartigen Aufbauten an langen Tischen und Bänken und nahmen dort wie in einem Restaurant ihr Essen ein. Natürlich gab es keine Tischdecken und viel Besteck: viele aßen aus einem großen Topf. Unser erstes Ziel: eine kleine Hüttensiedlung, in der afrikanische Handwerkskunst in jeder Form angeboten wurde: Masken, Statuen, Statuetten, Bilder, Stoffbearbeitung, Batik, Puppen, Hausratsgegenstände. Sogar ein Schuster verkaufte selbstgefertigte Schuhe und Sandalen. Wegen unserer Zeitbeschränkung konnten wir uns nicht richtig umsehen und haben nur schnell ein paar Kleinigkeiten gekauft. Unser zweites Ziel war ein supermodernes Nobel Einkaufszentrum mit fast alle teuren europäischen Läden, wie Cucchi, Chicco-Kindersachen, Uhren Rolex usw. zu finden und sogar ein Internetcafe. Die Zeit war kurz und bald mussten wir zurück. Irene wollte unter den klimatisierten Bedingungen unbedingt noch was trinken. So gingen wir mit den beiden Begleitern (Agent und Fahrer) in ein Cafe. Danach aber brausten wir zurück, nur von Ampeln aufgehalten an denen Bettler auf die Autos zustürzten und bettelten oder aber irgendetwas verkaufen wollten. Der Agent forderte uns auf, die Autofenster hochzudrehen und damit den unmittelbaren Kontakt abzubrechen. Es wäre unmöglich gewesen, nur einem von ihnen etwas zu geben oder für alle etwas zu spenden. So fuhren wir schnell weiter und landeten dann auch um Punkt halb drei Uhr wieder auf dem Schiff. Eine Stunde später legten wir ab und nach ca. zwei Stunden befanden wir uns wieder auf dem Meer. 20. Tag Mittwoch 14.8.(Richtung Tema) Heute morgen wurden wir von einer richtigen Nebelbrühe sehr überrascht - man sah höchstens zwanzig Meter weit. Das Schiff fuhr sehr langsam. Eigentlich hätten wir schon da sein müssen. Auf der Brücke sagte uns der 2. Offizier, dass wir solange auf Reede bleiben müssten, bis in Tema ein Platz frei würde. Gegen zehn Uhr hat sich der Nebel gelichtet und machte einer brütenden Hitze Platz. Um uns konnten wir acht andere Schiffe identifizieren, welche alle darauf warten, in den Hafen zu kommen. Aber wir wunderten uns nicht. War doch auch die Beschaffung der Visa für Ghana, die nervigste, teuerste und unmöglichste! Die Besorgung der Leerformulare dauerte drei Wochen, da die Botschaft in Bonn weder auf mehrere Email Anfragen noch auf Faxanfragen reagierte. Wir füllten die Anträge aus und schickten diese mit selbst in Farbe gedruckten Passfotos weg. Nach drei Wochen bekamen wir die Pässe und die Anträge zurück. Die Fotos sollten im Original sein. Prompt nach zwei Wochen bekamen wir die Pässe und die Anträge zurück. Erstens fehlte die Angabe, wo wir übernachten(!) und zweitens wurden die Photos von mir nicht akzeptiert. Ich hatte vergessen, dass ich auf den alten Photos noch einen Schnurrbart hatte. Also ein weiteres Mal wegschicken und hoffen. Diesmal mit der extra auf englisch formulierten Bitte, uns doch jetzt die Visa fertig zu stellen. Weit gefehlt. Wir bekamen unsere Pässe mit den Anträgen zurück mit der Aufforderung, sie erst Anfang Juli wieder zu schicken. Die Zeit wurde knapp. Also haben wir Anfang Juli den Umschlag erneut nach Bonn geschickt mit dem Vermerk, dass wir die Pässe persönlich abholen würden. Das hat mit ein paar Schwierigkeiten letztlich auch geklappt. Soweit das Visa-Abenteuer. Beim Aperitif sagte uns die Kapitänsfrau, dass in der vergangenen Nacht hier in Tema acht Piraten ein ankerndes Schiff enterten, Ware klauten und wieder entkommen sind. Na, keine sichere Gegend. Um 14:00 Uhr fuhren wir in den Hafen, Es kamen extrem viele offizielle Uniformierte an Bord. Gesundheitspolizei, Einwanderungsbehörde, Zoll, Hafenpolizei, Hafenverwaltung und andere mehr. Sie alle wollen im Prinzip nur eins : Bestechungsprämien. Auch wenn man von der Schiffsseite eigentlich gar nichts zu befürchten hat, könnten diese Leute das Schiff ein paar Tage im Hafen festhalten. Dies wissen sie und verlangen deshalb alles nur mögliche an Zigaretten, Alkohol und anderem. Wir mussten uns der Einwanderungsbehörde zeigen, ob wir mit unseren Pässen übereinstimmen. Man konnte förmlich riechen, dass sie eigentlich irgendetwas an unseren Pässen beanstanden wollten, um zu Geld zu kommen. Aber unsere Visa waren ja in Ordnung. Nach dem Abendessen wurde es dann ruhig, weil kaum noch etwas entladen wird und das Bordpersonal "vor schläft", um das Schiff heute Nacht zu bewachen. Wenn wir morgen früh unsere Pässe bekommen, gehen wir an Land. 21. Tag Donnerstag 15.8 (in Tema) Grau ist alle Theorie. Geplant waren um 8.00 Uhr drei Stunden Sightseeing in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Um halb acht Uhr kam der Kapitän und bedauerte sehr, uns mitteilen zu müssen, dass unser Schiff schon um neun Uhr ablegen würde und deshalb kein Landgang mehr möglich sei. Bei dem ganzen Ärger für das ghanesische Visa und jetzt konnten wir nicht einmal an Land - das war Pech auf der ganzen Linie. Wir haben wirklich auch um Punkt neun Uhr die Leinen in Richtung Lome/Togo losgemacht. Zwischendurch sind wir immer mal wieder an Deck, weil jetzt ab und zu Wale zu sehen sind. Und wir haben sie auch gesehen! Gegen 20:00 Uhr trafen wir in Lome ein. Es war stockfinster. Der Hafen ist sehr klein und eng, der Kapitän musste sehr gut aufpassen. 22. Tag Freitag 16.8 (in Cotonou/Benin; Richtung Lagos) Die ganze Nacht hatte die Ent-/Beladung gedauert. Erst um kurz nach fünf Uhr legte das Schiff in Richtung Cotonou ab. Wir ließen uns ein bisschen Wind um die Nase wehen. Kurz vor 11:00 Uhr sahen wir schon Land und der nächste Lotse kam an Bord. Um ein Uhr nahmen wir dann alle schon das Mittagsessen im Hafen von Cotonou ein. Wir sind sofort danach an die Laderampe gegangen, weil dort Händler auftauchten, die Uhren CD, VCD und DVD anboten. Wir haben zum Spaß einige CD und eine Uhr gekauft. Uns wurden Ansichtskarten angeboten. Ich wollte sie gerne sehen und nach 20 Minuten kam jemand mit einer Vielzahl von schönen Karten an. Wir suchten uns elf Stück heraus - unvorstellbare 20 Dollar wurden gefordert. Der Kapitän bot an, eine kurze Stadtrundfahrt zu organisieren. Dies war eine echte Überraschung, da Cotonou sozusagen gar nicht auf unserer "Besuchsliste" stand und wir auch keine Visa hatten. Wir haben dann gute 1 1/2 Stunden auf die Emigration gewartet, aber niemand ist gekommen. Der Kapitän beriet sich mit dem Agenten und meinte, dass wir auch so fahren könnten, da der Fahrer die Leute an der Zollschranke kenne. Die Fahrt war wirklich ein Erlebnis. Ich habe vom Auto aus gefilmt: Riesenmarkt und Künstlermarkt, Flughafen und durch das Regierungsviertel. Einige Leute sind wütend geworden, einige haben Angst bekommen und einige haben sich sofort weggeduckt. Der Fahrer erklärte uns, dass dies in der Regel die Nigerianer seien, die zu Tausenden in Benin seien und aufgrund ihrer Religion Angst vor einer Kamera haben. Um 17:30 Uhr wurden die Leinen gelöst. Eine Stunde später waren wir wieder auf See. 23. Tag Samstag 17.8 (in Lagos) Als der Wecker klingelte, kreisten wir immer noch. Der Kapitän geht grundsätzlich nicht mehr auf Reede, (Ankerwerfen) weil jetzt jeden Tag in einem anderen westafrikanischen Hafen Piratenüberfälle gemeldet werden. Mit uns warteten mindestens zehn Schiffe auf die Freigabe. Nichts passierte. Um 14:00 Uhr kam die Durchsage, dass um Punkt!! 15:00 Uhr der Lotse kommen würde. Der Kapitän befahl langsame Fahrt voraus. Es wurde 15:00 Uhr, es wurde 16:00 Uhr, ja und es wurde 17:00 Uhr. Um 17:10 Uhr tauchte aus der Ferne ein kleines Lotsenboot auf. Endlich ging es los. Die Hafeneinfahrt ist gleichzeitig ein Flusslauf, der teilweise extrem eng und voller Strömungen ist. Das Schiff schaukelte sehr oft zur Seite, weil die Kurven so eng gefahren werden mussten. Der Hafen in Lagos ist sehr weitläufig, so schipperten wir zwei Stunden den Fluss entlang. Nigeria hat 130 Mio. Einwohner, davon leben 12 Mio. in Lagos. Steuerbord lagen die riesengroßen Hafenanlagen und Backbord die Elendssiedlungen und teilweise Pfahlbauten der Bewohner. Auf dem Fluss jede Menge Kanus, die alle blitzschnell unserem Schiff auswichen. Dann endlich lagen wir fest. Unsere Visa für Nigeria waren nicht so ganz einfach gewesen. Nigeria verlangt zwangsweise das Visa, auch wenn man nicht an Land gehen will. Unser Visaantrag blieb im Mai ein paar Wochen in der Botschaft liegen, bis wir nachfragten, wo die Pässe seien. Man sagte sehr freundlich, dass diese im Safe seien und in ein paar Wochen mit Visa versehen, an uns zugehen. Dies war aber für uns eine zu lange Wartezeit. Deshalb erbat und bekam ich die Pässe zurück, um auch bei den anderen Botschaften Visaanträge stellen zu können. Später dann haben wir die Pässe wiederhingeschickt und problemlos unsere Einträge erhalten. Während des Abendessens wurden wir informiert, dass die Behörden erst morgen kommen würden. 24. Tag Sonntag 18.8 (in Lagos) Um 10:00 Uhr war für uns ein klimatisierter Van mit Chauffeur bereitgestellt, um nach Lagos zu fahren. Leider mussten wir um 13:00 Uhr zurück sein. Von unserem Teil dieses riesigen Hafens fuhren wir direkt auf eine Art Autobahn, auf der alle 2-3 Kilometer eine Vollbremsung fällig war, weil plötzlich die Strasse halbseitig gesperrt oder riesige Löcher in der Fahrbahn waren. Die normalen Stadtstrassen, waren dreckig und auch sehr löchrig. Die Menschen leben in Wellblechkonstruktionen oder unter den vielen, Brückenpfeilern anderer Autobahnen. Es gab bei der rund halbstündigen Fahrt kaum ein Gebäude, das sehenswert gewesen wäre. Das einzig Sehenswerte in der City waren die Hotelbauten, denn Lagos gehört bei den Übernachtungspreisen trotz der Armut zu den teuersten Städten der Welt (schlappe 240 USD für eine Nacht). Unser Fahrer fuhr zum Meredian-Hotel(dem besten von Lagos). Dort gab es in einem separaten Bau afrikanische Handwerkskunst aus Holz, Stein, Metall, Elfenbein, Schmucksteine, Batik - teils sehr schöne Gegenstände. Wir erstanden einige gestickte Bilder mit modernen und farbenprächtigen Motiven sowie zwei Holzschnitzereien, vermutlich aus Balsaholz. Vor unserer Weiterfahrt stellte der Fahrer fest, dass einer der Reifen des Van total kaputt war und deshalb ausgewechselt werden musste. In der Zwischenzeit fanden wir eine schöne klimatisierte Bar mit toller Musik. Die Drinks wurden frisch zubereitet serviert. Wir fühlten uns sauwohl. Das änderte sich schlagartig, als die Rechnung kam. Gesalzene 34 Dollar für drei Drinks. Leider musste ich zu meinem Schrecken feststellen, dass ich nur noch 29 Dollar hatte. Wir hatten zuviel auf den Kunstmarkt "gelassen". Meine Visakarte half auch nicht, diese wurde nur von Hotelgästen akzeptiert. Jetzt hatte ich echte Probleme; die von der Hotelmanagerin umständlich und zeitraubend gelöst wurden. Der Fahrer trat aufs Gaspedal und Punkt drei Minuten vor ein Uhr waren wir auf dem Schiff. 25. Tag Montag 19.8 (in Lagos) Um sechs Uhr gab es Schiffsalarm und wir fielen fast aus dem Bett. Was passiert war, wusste keiner. An Bord auf der Laderampe sind ungefähr dreißig Hafenarbeiter, aber absolut nichts wird be- oder entladen. Auf der anderen Seite des Schiffes fahren auf dem Fluss ständig Kanus und Fischerboote, schön zum Anschauen. Gegen 15:00 Uhr wurde es etwas laut. Fünfzig Neuwagen wurden aus dem Schiff gefahren. Um 18:00 Uhr legten wir ab und waren um 19:30 Uhr wieder auf See. Um 20:00 Uhr haben wir entspannt und in gemütlicher Runde beim Abendessen gesessen. Alle waren froh diesen Moloch wieder verlassen zu können. 26. Tag Dienstag 20.8 (Richtung Douala) Die See ist bewegt, es regnet in einem fort und außer den Mahlzeiten gab es keine Abwechselung. Abends gegen 22:00 Uhr ankerten wir im Hafen von Douala. Es regnete zu stark und die Sicht war gleich null. Es müssen jetzt jede Nacht Deckswachen patroulieren, da in vielen westafrikanischen Häfen zur Zeit Piraten ihr Unwesen treiben. 27. Tag Mittwoch 21.8 (in Douala) Früh morgens legte das Schiff an der Pier an. An der Laderampe warteten ca. 70 Hafenarbeiter darauf, ihre Arbeit zu beginnen. Leider sind keine Händler gekommen. Kurz nach zehn Uhr hätten wir an Land gehen können. Aber bei dem Wetter? Der Agent sagte, dass es jetzt schon vier Wochen hier ununterbrochen regnet. Also wird es auch in den nächsten Stunden nicht groß aufklaren. Unsere Pässe wurden bereits um 8:00 Uhr bearbeitet, aber sie blieben unter Verschluss. Wir bekamen für den Landgang einen Passierschein. Inzwischen stehen wieder Händler an der Pier, aber das Angebot gefiel uns nicht oder war zu teuer. Die Sonne hat sich nicht blicken lassen, zeitweise hat es aufgehört zu regnen. Um 17:00 Uhr kam ein Uniformierter mit unseren Passierscheinen. Wehe, wir hätten es eilig gehabt, an Land zu gehen. 28. Tag Donnerstag 22.8 (in Douala) In Erwartung des Landganges sind wir recht früh aufgestanden. Eine einstündige Fahrt führte uns zu allen sehenswerten Punkten. Die Menschen machen alle einen freundlichen Eindruck, aber im Vergleich zu den anderen afrikanischen Ländern sind sie fast ausschließlich westlich gekleidet. Sowohl Männer als auch die Frauen tragen ihre Gepäckstücke oder Waren nicht in der Hand, sondern auf dem Kopf. Zwei Stunden später, in denen es fast nicht geregnet hat, sahen wir wieder unser Schiff. Am Nachmittag beobachteten wir die Beladung. Es wurden in circa 20 - 30 LKW ausschließlich bereits geschnittenes Edelholz geladen. Eine Kleinigkeit für dieses Schiff. Um 16:00 Uhr pünktlich verließen wir den Hafen von Douala. Das Abendessen gab es heute erst um 20:00 Uhr. Da das Auslaufen pünktlich und gut geklappt hat, war der Kapitän glänzender Laune und erzählte Witze am laufenden Band. 29. Tag Freitag 23.8 (in Richtung Abidjan) Keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter hat sich noch nicht sehr gebessert, nur die Temperatur ist etwas höher geworden. 30. Tag Samstag 24.8 (Abidjan) Einzelne Sonnenstrahlen wechseln sich mit dunkler Bewölkung ab. Bei circa 25 Grad regnet es nicht. Wir haben recht spät bei beginnender Dämmerung festgemacht. Der Landgang fiel leider ins Wasser, weil niemand an Bord kam, um die Pässe freizugeben. Statt dessen kam ein "Ehren-Passagier“ - einer der größten Kakaolieferanten der Welt. Er lebt seit vielen Jahren in Abidjan und betreut mehrere Produktionsstätten. 31. Tag Sonntag 25.8. (in San Pedro) Wahrscheinlich werden wir gegen Mittag in San Pedro (auch Elfenbeinküste) festmachen und das erhöht unsere Chance für einen Landgang. Das Wetter bietet ideale Bedingungen für einen Landgang: strahlendblauer Himmel und 27 Grad. Der Kakaolieferant bot sich an, uns den Ort und eine seiner Fabrikationsanlagen zu zeigen. Unsere Vorfreude mussten wir bis 16:00 Uhr zügeln; dann war das Schiff endlich festgemacht und wegen der langsamen Emigration konnten wir erst gegen 18:15 Uhr von Bord. Die Lage des Hafens und des Dorfes mit seinem wunderschönen Strand ist idyllisch. Wir fuhren mit dem Firmenwagen in San Pedro ein - vorbei an sehr gut gekleideten Frauen in Nationaltracht, kilometerweit an Hütten und Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Die Strassen waren schlichtweg chaotisch. Sowohl die asphaltierten, als auch die Lehmstrassen hatten riesige Risse und Löcher. Wir besichtigten eine der drei Kakaofabrikationsstellen und sahen Kakao- und Kaffeebohnen, die für den weltweiten Export bestimmt waren. Da wir dieses Mal erst um Mitternacht an Bord sein mussten, lud uns der Kakaolieferant zu einem Drink ein. In Wirklichkeit ging es dann in ein kleines französisches Restaurant, wo man uns einen kleinen "Snack" servierte. Das war die Untertreibung des Tages, denn nach einer dreiviertel Stunde entpuppte sich der Snack als eine komplette Fischmahlzeit: in Gin flambierte Flußkrabben mit Reis, die hervorragend schmeckt haben. 32. Tag Montag 26.8 - 40. Tag Dienstag 3.9 (ab jetzt Richtung Amsterdam) 41. Tag Mittwoch 4.9 (in Amsterdam) Als wir aufstanden, lagen wir schon an der Pier fest. Alles ist so sauber und aufgeräumt. Der Hafen ist sehr weit von der Stadt entfernt. Um 11:00 Uhr fuhren wir mit einem bestellten Auto zusammen mit dem Kapitänsehepaar direkt zum Zentralbahnhof und haben unseren Bummel begonnen. Es war sehr interessant, die vielen Menschen zu beobachten. Alle Rassen und alle Hautfarben sind hier zu finden. Ein Lokal neben dem anderen und jede Menge Souvenirshops. Besucht haben wir auch noch den Seemannclub von Amsterdam und trafen einige Besatzungsmitglieder, die etwas Abwechslung gesucht haben. Pünktlich um Abendessen kam dann auch der versprochene Kuchen auf den Tisch. Grazie! 42. Tag Donnerstag 5.9 (in Amsterdam) Heute haben wir sozusagen einen Ruhetag eingelegt und brechen heute Abend um 21:00 Uhr nach Hamburg auf. 43. Tag Freitag 6.9 (Richtung Hamburg) Mit voller Kraft voraus fahren wir bei ziemlich trüben Nordseewetter. Am späten Vormittag klärt es sich auf und wir sehen recht gut Cuxhaven. Schon um 15:00 Uhr waren wir durch eine gute Tide an den Landungsbrücken. Das Abholen unseres Autos war wirklich sehr unkompliziert. Danach haben wir unsere letzte Mahlzeit an Bord eingenommen und uns von den an Bord gebliebenen Personen verabschiedet, denn für uns klingelt der Wecker um vier Uhr für die Rückfahrt. Fazit: Im Herbst 2002 Luigina und Wieland Rendel
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