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| Reisebericht einer Frachtschiffreise von Ashdod in Israel nach Monfalcone
in Italien Mit dem Wohnmobil Afrika zu durchqueren, war für Swantje Küttner und Arthur Pelchen ein Traum. Im Jahr 2005 haben sie ihn unter dem Motto "Mit GeU on Tour durch Afrika" verwirklicht. Hinter "GeU" verbirgt sich ein ostdeutscher IFA L 60, der wegen seiner ungetümen Erscheinung und Farbe liebevoll "Gelbes Ungetüm" oder kurz GeU genannt wird. Das Tourfazit : 44.386 Kilometer, 37 besuchte Länder, davon 28 auf dem afrikanischen Kontinent, und 359 erlebnisreiche und spannende Tage. Den Abschluss dieser außergewöhnlichen Tour bildete die Passage mit der Frachtfähre "Fides" von Ashdod in Israel nach Monfalcone in Italien. Der folgende Bericht ist ein Auszug aus dem Reisetagebuch "Mit GeU on Tour durch Afrika". Die vollständige Version ist im Internet unter www.geu-on-tour.de nachzulesen: Ashdod begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Wir fahren zum Hafen und finden den von Neptunia genannten Hafenagenten Allalouf dank eines großen Schildes auf dem Dach auf Anhieb. Dort bestätigt man uns, dass die Fähre erst in zwei Tagen, am Donnerstag, kommt. Diese Zeit wird am nächsten Tag bei unserer telefonischen Nachfrage auf den Morgen des geplanten Tages konkretisiert. Wir sollen daher am Donnerstag um 9.00 Uhr bei der benachbarten Agentur Interdel erscheinen, die sich um die Ausreiseformalitäten rund um das Fahrzeug kümmert. Dazu wird auch ein ausführlicher Sicherheitscheck mit Komplettausräumen gehören, bevor GeU auf das Hafengelände darf. Warum es zwei Agenturen sein müssen, die wie beide direkt vor Ort zahlen müssen, bleibt uns unklar. Sie sorgen gemeinschaftlich für etwas Stress und erleben uns leider von unserer unfreundlichen Seite. Denn nur ein "Thekentanz" ermöglicht es, dass wir überhaupt mit geplanten Schiff und an diesem Tag Ashdod verlassen. Überpünktlich erscheinen wir bei Interdel, warten 20 Minuten, bis sich jemand für uns interessiert. Die uns schon bekannte Mitarbeiterin ist plötzlich im Urlaub und der Vertreter erklärt lapidar: "We have a problem". Das Schiff sei bereits fertig beladen, solle in zwei Stunden den Hafen verlassen und die verbleibende Zeit sei zu knapp, um alle Formalitäten für das Fahrzeug zu absolvieren. Wir würden mitfahren, aber GeU folge erst in einer Woche. Wir haben das Gefühl, nicht richtig zu hören und erklären: "It is impossible, we have to go with the truck". Gemeinsam geht es ins Büro von Allalouf, wo Arthur ziemlich deutlich macht, dass wir heute und mit diesem Schiff fahren werden, sonst gäbe es eine heftige Schadensersatzklage. Daher solle man jetzt nicht quatschen, sondern handeln und uns auf das Schiff befördern. Der Auftritt zeigt Wirkung. Der Chef von Allalouf erscheint und telefoniert hektisch im Hafen herum. Die erste halbe Stunde des zweistündigen Zeitkontingents ist um, als wir schließlich das Büro verlassen. Für das Bezahlen der beiden Agenturen reichte die Zeit schon mal. Allalouf kassiert 100 US-Dollar und Interdel 250 US-Dollar. Wofür wir das Geld zahlen, wissen wir nicht wirklich. Bislang haben wir von einer ordnungsgemäßen Abfertigung nicht viel gesehen und kündigen schon mal an, alles wieder haben zu wollen, wenn wir stehen bleiben sollten. Das Passieren der ersten Schranke ist der erste Akt. Uns kommen die Minuten endlos vor, schauen besorgt immer wieder auf die Uhr und verstehen nicht, worüber der Interdel-Mitarbeiter und der Mann an der Schranke diskutieren. Schließlich geht es weiter zum Sicherheitscheck. Das Verfahren der israelischen Sicherheitsbehörden kennen wir. Wir bekommen wieder jede Menge Fragen zum wohin und woher gestellt. Der große Sicherheitsscheck bleibt aber aus. Wir müssen noch nicht einmal die Tür zur Wohnkabine öffnen. Nur ein Sprengstoffhund läuft einmal um das Auto und schlägt erwartungsgemäß nicht an. Wir sind froh, nicht noch einmal alles ausräumen zu müssen, wundern uns aber schon und erfahren, dass der Allalouf-Chef beim Chef der Sicherheit angerufen und für das schnelle Hineinkommen in den Hafen gesorgt hatte. Unsere Chancen auf die Fähre steigen, aber erst einmal fordert die Bürokratie ihre Zeit. Den Zöllner erledigt seinen Job schnell. Das Bezahlen der Porttax dauert etwas länger. Der Computer fordert viele Antworten, sonst geht es nicht weiter. So steht auf unserem Papier nun die Adresse des Hafenmitarbeiters und wir zahlen 238 Schekel (ca. 43 Euro). Bei der Polizei gibt es den Ausreisestempel in den Pass. Nun könnten wir an Bord rollen, doch ist der zuständige Mitarbeiter vom Schiff gerade beim Mittagessen. Als Arthur GeU auf das Schiff fährt, atmen wir erleichtert auf. Irgendwie hätten wir diese drei stressigen Stunden nicht gebraucht, aber nun können wir uns sieben oder acht Tage an Bord der MS "Fides" erholen. Schon eine Stunde später legt das Schiff tatsächlich ab. Eine Frachtschiffreise wollten wir schon immer mal machen und empfinden die ruhigen Tage an Bord der MS "Fides" als einen netten Ausklang unserer Afrikareise. Langsam nähern wir uns Europa und dem dortigen Winter. Ob auf See oder im Hafen: wir haben viel zu schauen und erleben die siebentägige Seereise als ausgesprochen kurzweilig. Die "Fides" ist eine moderne Roll-on-Roll-off-Fähre, 178 Meter lang, 26 Meter breit und 41 Meter hoch. Sie ist 1993 in Lübeck gebaut worden und hat zwei 8-Zylinder-Dieselmotoren mit insgesamt 11,5 MW, die auf eine Welle mit Verstellschraube wirken. Die Besatzung besteht aus 27 Männern und einer Frau, die als Deckskadettin gemustert ist. Es gibt Platz für zwölf Passagiere. Mit uns reisen drei weitere Deutsche, alle haben Fahrzeuge dabei. Insgesamt gibt es zehn Parkdecks unterschiedlicher Höhe für Fahrzeuge und die Kapazitäten sind beeindruckend. Werden nur Autos geladen, passen 2.400 Fahrzeuge auf die "Fides". Das Schiff unter italienischer Flagge (Grimaldi-Group) fährt im 14-tägigen Rhythmus von Monfalcone in Italien über Piräus in Griechenland nach Ashdod in Israel. Die Häfen auf der Rückreise sind Ismir in der Türkei, Ravenna in Italien und Koper in Slovenien. Überwiegend werden Neuwagen transportiert: Mercedes von Monfalcone nach Athen, Skodas von Koper nach Israel, in der Türkei gebaute Fiats und Renaults nach Ravenna. Außerdem finden Container unter Deck Platz und in Ravenna nehmen wir alte Bagger an Bord, die für Ägypten bestimmt sind und in Athen umgeladen werden. Nicht zu vergessen: GeU - im Ladeplan korrekt als Truck mit mehr als 7,5 Tonnen bezeichnet. Er steht dicht an der hinteren Ladeluke, muss von Arthur einmal umgeparkt werden und ist sonst mit Leinen gesichert. Wir dürfen, wann immer wir wollen, auf die Brücke. Dort bestimmen Computer das Bild. Mit den modernen Radargeräten kann die Fahrtrichtung und -geschwindigkeit anderer Schiffe bestimmt werden. Automatisch wird ein möglicher Kollisionspunkt errechnet und die Wache gehenden Offiziere akustisch gewarnt. Mit einem Nautoplot wird die aktuelle Position auf der Seekarte angezeigt. Außerdem zeigen Bildschirme alle möglichen Daten zur Hauptmaschine. Nach einer Woche mit intensivem Studium der Geräte und des Nachfragens versteht Arthur weitgehend alle Instrumente und ihre angezeigten Werte. Der Chef-Ingenieur ist ganz begeistert. Leider hat es sich nicht ergeben, dass er uns den Maschinenraum gezeigt hat. Da vor allem das An- und Ablegen interessant sind, stehen wir auch schon mal vor 6.00 Uhr morgens auf. Auch der Kapitän ist dann auf der Brücke. Wache gehen muss der Herr mit den vier Streifen nicht, aber er führt das Kommando bei allen Manövern. Beim Laden lassen wir es uns nicht entgehen, im Laderaum herumzulaufen, wobei die Besatzung uns immer wieder aufmerksam macht, dass wir eigentlich nicht da sein sollten. Aber es ist so spannend! Als wir in Koper neue Skodas geladen haben, verschafft sich Arthur einen genauen Überblick über die Autos und würde zu gerne auch Autos an Bord fahren. Ich freunde mich direkt am ersten Tag mit dem Koch an, inspiziere die Provianträume und schaue jeden Tag in die Töpfe. Wir leben bei reichhaltiger italienischer Hausmannskost nicht schlecht und essen zusammen mit der Schiffsleitung. Nach einem schlichten Frühstück folgen jeweils viergängige Mittag- und Abendessen mit viel Pasta. Wir genießen die Steaks und die Antipasti mit Mortadella, Salami und Schinken! Das hatten wir nicht zu oft im letzten Jahr. Passend zur italienischen Esskultur gibt es mittags wie abends Wein, woran man sich auch gewöhnen kann. Uns fehlen nur süße Nachtische. Obst zählt für uns nicht und Eis steht viel zu selten auf der Speisekarte! Als wir Ashdod verlassen, scheint die Sonne, das Mittelmeer ist ruhig. Vor uns liegen 40 Stunden auf See. Am übernächsten Morgen erreichen wir noch bei Dunkelheit Ismir, wo wir für einige Stunden an Land gehen. Es ist noch sonnig, aber schon deutlich kühler. Nach gut 12 Stunden im Hafen starten wir zu einem 60-stündigen Seetrip, umfahren den Pelepones und haben recht kabbeliges Wasser in der südlichen Adria. Auch die "Fides" schaukelt, aber trotz Sturmwarnung mit Windstärke neun haben wir keine Probleme mit Seekrankheit. Die leichte Schaukelei sorgt für guten Schlaf. In Ravenna holt uns die europäische Winterrealität ein. Um 7.30 Uhr ist es immer noch dunkel, dazu ist es kalt-feucht. Ekelhaft! Wir holen die dicken Fleecejacken, Mützen, Schals und Handschuhe heraus und beobachten das Entladen von einem frischen Standort an der Ladeluke. Für einen Stadtbummel ist es uns schlicht und einfach zu ungemütlich. Wir verziehen uns in unsere Kabine, die allerdings auch keine Heizung hat. Das slowenische Koper zeigt sich freundlicher. Es ist kalt, aber sonnig und wir bummeln durch die hübsche Altstadt mit engen Gassen. Von hier sind es nur knapp 30 Kilometer bis Monfalcone, unserem Zielhafen. Aber nach einem langen Arbeitstag im Hafen soll sich die Crew ausruhen. Wir verbringen die letzte Nacht an Bord auf Reede (vor Anker!). Am Morgen erreichen wir Monfalcone und können von Bord rollen. Wir sind wieder in Europa. Nun sind es noch 1.097 Kilometer bis zu unserer Wohnung in Berlin.
Dezember 2005
Swantje Küttner und Arthur Pelchen Mit GeU on Tour durch Afrika www.geu-on-tour.de
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